Eine chronische Erkrankung wie Diabetes kann mit Vorurteilen behaftet sein. Auch ein erweiterter Kündigungsschutz und zusätzliche Urlaubsansprüche können in den Augen eines Arbeitgebers tatsächlich Argumente gegen die Einstellung eines Diabetes-Betroffenen sein. Daher sollten Sie über Ihre Rechte Bescheid wissen, die der Staat Ihnen zuerkennt und auch über die damit einhergehenden Vor- und Nachteile, die Ihnen in der Arbeitswelt dadurch entstehen können.

Recht und Beruf: Was Sie wissen sollten

Erfolgreiche Jobsuche trotz Diabetes

Im Prinzip können Menschen mit Diabetes jeden Beruf ausüben. Wenige Ausnahmen betreffen Berufe, bei denen zum Schutz ein Ganzkörperanzug getragen wird. Dies ist zum Beispiel in biologischen Sicherheitslabors oder Atomkraftwerken der Fall und behindert bei einer auftretenden Unterzuckerung schnelle Gegenmaßnahmen.

Da Diabetes aber weder ansteckend ist noch die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt, darf ein potenzieller Arbeitgeber im Vorstellungsgespräch nicht danach fragen. Tut er es trotzdem, dürfen Menschen mit Diabetes zum Selbstschutz lügen.

Häufig kennen sich Arbeitgeber nicht mit der Krankheit aus und können die Konsequenzen bei einer Einstellung nicht abschätzen. Tendenziell erhalten Betroffene daher eher eine Absage, wenn sie bei der Jobsuche mit offenen Karten spielen.

Übrigens ist das Verschweigen der Krankheit bei einer erfolgreichen Anstellung kein Kündigungsgrund. Wenn also der Chef von der Krankheit erfährt, was gerade in kleineren Betrieben sehr wahrscheinlich ist, ist es ratsam in einem Gespräch die Gründe für das Verhalten zu erklären. So lassen sich darüber hinaus noch viele Vorurteile über Diabetes aus der Welt schaffen.


Auch im Urlaub zuverlässig versichert

Egal welches Land Sie in Ihrem Urlaub entdecken möchten, man sollte sich im Vorhinein Gedanken zu einer Reisekranken-versicherung machen. Die entspannteste Urlaubsstimmung kann schnell getrübt werden, wenn man erkrankt oder einen Unfall hat. Und dies ist laut Statistik gar nicht so selten der Fall, denn jeder Dritte wird krank und jeder Zehnte hat einen Unfall. Grundsätzlich besteht für Mitglieder einer gesetzlichen deutschen Krankenkasse in europäischen Ländern ein Grundschutz. Häufig ist der Standard der Versorgung aber nicht mit dem Standard in Deutschland zu vergleichen.

Geboten wird eher eine Minimalversorgung, da viele Untersuchungen in den anderen Ländern keine Kassenleistung sind. Ist in Extremfällen sogar ein teurer Rücktransport nach Deutschland notwendig, muss man diesen aus eigener Tasche zahlen. Privatversicherte fallen übrigens gar nicht unter den Grundschutz und müssen sich selber um einen Versicherungsschutz kümmern.

Bei Abschluss einer Auslandsreisekrankenversicherung werden dagegen nicht nur Notfälle abgedeckt, sondern sie bieten viel Leistung für wenig Geld. Sowohl Arztbesuche und Krankenhausaufenthalte fallen unter das Leistungsspektrum wie auch der Rücktransport nach Deutschland. Obwohl der Gesundheitszustand in der Regel für diese Versicherung nicht abgefragt wird, sollten sich Menschen mit Diabetes über das Kleingedruckte genau vergewissern, dass chronische Krankheiten nicht vom Versicherungsschutz ausgeschlossen sind.


Sicher Autofahren mit Diabetes

Um mit einer Diabetes ein Auto sicher führen zu können, muss der Betroffene die typischen Symptome einer Unterzuckerung wie Zittern, Herzrasen oder Wahrnehmungsstörungen zuverlässig erkennen können. Zwar verschulden Menschen mit Diabetes nicht häufiger Unfälle als Gesunde, allerdings ist wenn es passiert sehr oft eine Unterzuckerung die Ursache.

Menschen mit Diabetes, die ihren Blutzucker über eine Diät oder Medikamente wie Metformin und Acarbose stabilisieren, haben üblicherweise keine Probleme mit einer Unterzuckerung.

Nehmen diese aber Sulfonylharnstoffe oder Glinide besteht dagegen die Gefahr einer Unterzuckerung. Patienten die Insulin spritzen haben insgesamt das höchste Risiko zu unterzuckern. Für einen verantwortungsbewussten Umgang mit der Krankheit im Straßenverkehr ist es notwendig, sich vor jeder Fahrt den Blutzucker zu messen. Ist dieser nicht im Normalbereich sollten Betroffene auf keinen Fall das Auto selber fahren. Auch sollte man sofort anhalten, wenn typische Symptome einer Unterzuckerung auftreten. Zur Sicherheit sollten darüber hinaus schnelle Kohlenhydrate wie Traubenzucker oder Obstsaft im Auto bereitliegen. Wichtig ist außerdem, die gemessenen Werte zu dokumentieren. So kann im Falle eines Unfalls der korrekte Umgang mit der Krankheit nachgewiesen werden.

Wenn wiederholt auffällt, dass ein Betroffener trotz Beeinträchtigung der Fahreignung gefahren ist, kann ein Fahrverbot meist nur noch durch ein fachärztliches Gutachten wieder ausgeräumt werden.


Brauche ich einen Schwerbehindertenausweis?

Bei entsprechend hohen Beeinträchtigungen können Diabetes-Patienten einen Schwerbehindertenausweis erhalten. Aber für wen lohnt sich das wirklich?

Schwerbehindertenausweis Pro

PRO

Berufstätige mit fester Arbeitsstelle, die bis zur Rente nicht mehr gewechselt wird.

  • Erweiterter Kündigungsschutz
  • Zusatzurlaub
  • Vorzeitige Altersrente
  • Steuerermäßigungen
  • Vergünstigter Eintritt in Bäder, Museen und Theater

Kontra

Kinder & Jugendliche

  • Gefühl der Ausgrenzung
  • Mögliche Minderwertigkeitskomplexe
  • Probleme bei der Arbeitssuche
  • Unklare Datensicherheit in kommenden Jahren
Schwerbehindertenausweis Contra

Zwar bringt ein Schwerbehindertenausweis viele Vergünstigungen wie mehr Urlaub oder Steuerermäßigungen, es sollte aber ganz genau abgewogen werden, wo er tatsächlich empfehlenswert ist. Gerade Berufstätige, die eine gute Stelle haben, profitieren von einem erweiterten Kündigungsschutz und auch der Möglichkeit zur vorzeitigen Altersrente.

Bei Kindern und Jugendlichen dagegen sollte man durchaus von der Beantragung des Ausweises absehen. Während Eltern von einem hohen Steuerfreibetrag profitieren, kann die „Schwerbehinderung“ bei Kindern Minderwertigkeitskomplexe auslösen. Vielleicht fühlen Sie sich nicht als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft oder werden aufgrund von Vorurteilen sogar aktiv ausgegrenzt. Da eine einmal festgestellte Schwerbehinderung aktenkundig ist, sollte durchaus auch über die langfristigen Konsequenzen nachgedacht werden. Gerade das Thema Datensicherheit und damit einhergehende Einschränkungen in der Jobsuche könnten für Betroffene und deren Eltern ein Grund sein, den Ausweis nicht zu beantragen. Die Kriterien, die für die Gewährung eines Schwerbehindertenausweises erfüllt werden müssen, sind nicht eindeutig.

Je umfangreicher die Unterlagen in Bezug auf persönliche krankheitsbedingte Einschränkungen sind, desto größer stehen die Chancen auf eine Bewilligung des Antrags.